Soziale Medien – eine Generationsfrage?

Sie werden es nicht glauben: Die Heldin meines nächsten Buches erwartet gerade ein Gottesurteil (Sie wissen schon, so ähnlich wie bei einem dieser schrecklichen Hexenprozesse), und was mache ich? Lasse sie hängen, weil ich mit Facebook angefangen habe. Natürlich werde ich mich bald wieder um sie kümmern, aber zuerst muss ich mich mit „sozialen Medien“ befassen.

Bisher hatte ich mich standhaft geweigert, auf Facebook zu gehen. Vielleicht schütteln Sie den Kopf, vielleicht verstehen Sie das aber auch. Schließlich habe ich ja noch etwas zu tun, als Lehrerin muss ich Stunden vorbereiten, Hefte und Aufsätze korrigieren, Prüfungen benoten. Die Arbeit fängt erst an, wenn ich nach Hause komme. Und wenn ich dann endlich einen Moment für mich habe und erfolgreich den Zustand des Hauses ignoriere, komme ich auch zum Schreiben. Dann auch noch eine Facebook-Seite „pflegen“? Und eine Website??

Durch meine standhafte Weigerung, mich der Welle der sozialen Medien anzuschließen, weiß ich überhaupt nicht, wie das alles funktioniert. Ha, sagen Sie, da brauchen Sie doch nur Ihre Kinder zu fragen! Was aber, wenn die Kinder in irgendwelchen Universitäten herumspringen, anstatt zuhause Mamas zaghafte Fragen zu beantworten?

Ich schätze mich glücklich, eine Vierzehnjährige zu kennen. Gestern Abend kam sie vorbei, um mir in meiner Not zu helfen. Jetzt weiß ich schon mal, wo ich klicken muss, um etwas zu machen. Respekt vor den Jugendlichen! Wieso kennen sie sich eigentlich so ausgezeichnet mit diesen Dingen aus? Wieso haben sie keine Angst, einfach auf den ein oder anderen Knopf zu drücken, während ich voller Panik befürchte, etwas falsch zu machen?

Sie sind schlichtweg damit aufgewachsen, Medien zu benutzen, und bleiben ständig auf dem neuesten Stand der Technik. Ein fremdes Konzept für mich, wie wohl für viele meiner Generation. Wie schwer ich mich tue, wenn in der Schule schon wieder ein neues System eingeführt wird! Das Anwesenheitsregister ist jetzt elektronisch und dort muss ich auch eintragen, wenn ein/e Schüler/in besonders gute Arbeit leistet, die Hausaufgaben vergisst oder sich nicht benimmt. Wir haben in jedem Klassenzimmer einen „Beamer“, der unsere eigenen Powerpoint-Präsentationen und ganze Stundenpläne zeigt, mit Links zu Tonspuren, für die Höraufgaben in Fremdsprachen. Glauben Sie nicht, dass das immer problemlos verläuft. Die SchülerInnen lachen sich schlapp, wenn ich mit der Technik nicht klarkomme. In der Regel erklären sie mir dann freundlich (oder überheblich), wo ich klicken muss, um mein Problem zu lösen. Naja, erklären könnte man es nennen, meistens schreien sie: „But Miss! You only have to …..“ Woraufhin ich einen resignierten Blick über meine Schulter werfe und mich der Tatsache ergebe, dass sie es einfach besser wissen.

Was Facebook anbelangt, ist mir klar geworden, dass es für die ältere Generation noch viel wertvoller als für Jugendliche ist. Wenn Sie relativ hausgebunden sind, weil Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so viel unternehmen, oder wenn Sie ein/e Pfleger/in sind, haben Sie ein Fenster zu der Welt um sich herum. Sie sehen, was Familienmitglieder und Freunde gerade machen, was sie beschäftigt, was sie denken, sogar wenn sie in einem anderen Land wohnen. Wie schön wäre es, wenn Jugendliche mehr älteren Menschen dabei helfen könnten, durch soziale Medien Kontakt zu halten! Ein wunderbares Projekt für Schulen, denken Sie nicht auch?

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