Proud to be ….

Ausnahmsweise mal etwas Politisches: Nationalstolz ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. Stolz sein darf man, wenn man etwas geleistet hat. Wer das Glück hat, in einem Land geboren zu sein, das wohlhabend und sozial ist, relative Sicherheit bietet und die Menschenrechte beachtet, der sollte sich freuen und hat keinen Grund, deshalb „stolz“ zu sein, finde ich. Viele Engländer sehen das anders, was u.a. mit dem zweiten Weltkrieg zu tun hat und mit (m.E. fragwürdigem) historischem Imperialismus.

Im Ausland Deutsch zu sein, ist so eine Sache. Ein Mitglied des Kreisauer Kreises hat damals gesagt, dass Deutschland noch nach 50 Jahren nicht den Kopf heben kann, wenn es nicht gelingt, die Diktatur von innen zu beenden, vielleicht sogar nie wieder. Leider, leider stimmt das: sie haben es nicht geschafft, die Diktatur von innen zu beenden, wieviele es auch heroisch versucht haben. Die Folgen? Dass ich 70 Jahre nach Kriegsende noch immer zögere, wenn mich jemand nach meiner Nationalität fragt, denn die Antwort ist „Deutsch“. Besonders in England kommt dann sofort die Assoziation mit unserer „jüngsten Vergangenheit“ hoch, ja, tatsächlich, immer noch. Auch wenn die meisten von der guten deutschen Wertarbeit überzeugt sind (Autos, Geräte, etc.), kann niemand vergessen, was unter den Nazis passiert ist, und das sollte man natürlich auch nicht vergessen. Das heißt aber: im Pub lieber nicht zu laut Deutsch sprechen – ich weiß ja nicht, welche persönlichen Tragödien sich in der Familiengeschichte meines Gegenübers verbergen.

Doch plötzlich, nach 22 Jahren, die ich in England lebe, regt sich etwas anderes. Man hört und liest Berichte und sieht Bilder im Fernsehen, in denen erschöpfte Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland willkommen geheißen werden. Während in England noch immer gegen die Angst, von einer Immigrationswelle überrollt zu werden, gekämpft werden muss, stehen die Deutschen Schlange, um diesen verzweifelten unschuldigen Menschen zu helfen. Auf einmal setzen Deutsche ein internationales Beispiel der Menschlichkeit, der Hilfsbereitschaft, der humanitären Kameradschaft.

Danke! Danke allen, die Kleidung, Essen, Wohnraum und persönliche Zuwendung geben. Nicht nur im Namen der Flüchtlinge selbst, sondern auch im Namen der Expats, die irgendwo im Ausland (zum ersten Mal?) auf die Frage, woher sie kommen, ohne lange zu zögern antworten können: aus Deutschland.

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Ein Gedanke zu „Proud to be ….

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