Schriftsteller als Beruf?

Davon träumen viele, und es gibt romantische Vorstellungen von Schriftstellern, wie sie am Fenster mit wunderschönem Ausblick sitzen, vor sich Papier und Tintenfass (bzw. Laptop), Tasse Tee auf der Seite, sinnend, schreibend. So hätte ich es auch gern. Zu meinen Füßen zwei zufriedene Hunde, die mich aus dem Haus treiben, so dass ich auch mal frische Luft schnappe und mich bewege, ansonsten sitze ich vertieft in mein Werk und hacke in die Tasten.

Realität? Wohl kaum. Die wenigsten AutorInnen können vom Schreiben leben, fast alle haben einen Beruf, um die Rechnungen zu bezahlen; das Schreiben ist Hobby, bis es vielleicht einen Durchbruch gibt, was natürlich zunächst einmal dahingestellt bleibt. Schon unseren großen Klassikern ging es so, nicht viele hatten das Glück, vom Schreiben leben zu können. Die Frauen mussten in erster Linie ihre Männer und den Haushalt versorgen, und die Männer hatten diverse Berufe: Goethe arbeitete als Geheimrat, Theodor Fontane als Apotheker, E.T.A. Hoffmann als Regierungsrat, Musiklehrer, Kammergerichtsrat. Kafka war Versicherungsangestellter, Schiller Militärarzt, Eichendorff beim Militär und in preußischen Regierungsämtern.

In die Gegenwart traue ich mich kaum hinein; es gibt so viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen, dass ich bestimmt ganz wichtige auslasse. Wenn ich das richtig sehe, haben es nur einige Auserwählte geschafft, mit dem Schreiben ihren Unterhalt zu bestreiten.

Auch die Bridget-Jones-Situation der großen Launch-Party gibt es nicht mehr. Stattdessen fängt die Arbeit des hoffnungsvollen Schreiberlings jetzt erst an: Verlage und Agenturen kontaktieren, Lesereisen veranstalten, in Buchläden sitzen und ums eigene Produkt werben, Website erstellen, Fanpage einrichten, alles up-to-date halten, das Finanzamt beruhigen.

Mittlerweile steht meine Heldin mit ringenden Händen am Burgtor, tage- und wochenlang, weil ich nicht weiß, wie ihr Kleid aussieht und ob die Rüstung ihres Ritters in der Sonne glänzt, denn ich muss erst herausfinden, was beide getragen haben. Gründliche Recherchen sind ein Muss, da ansonsten sofort jemand Dilettantismus wittern könnte. Derweil machen sich Haus, Garten, Familie und Freunde bemerkbar und der Beruf schreit am lautesten.

Und dennoch entwickelt sich die Geschichte voran. Plötzlich ist, allen Widersachern zum Trotz, ein neues Buch entstanden, bei mir wie bei vielen, vielen anderen. Vielleicht ein Erfolg, vielleicht auch nicht, aber allein schon deshalb mit Stolz betrachtet, weil es sämtlichen Herausforderungen getrotzt hat.

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2 Gedanken zu „Schriftsteller als Beruf?

  1. Träume an die man glaubt werden wahr! Und das wünsche ich von Herzen der cc.strachan Schriftstellerin. Die beiden Hunde zu den Füßen und ein knisternder Kamin. Anerkennung und Erfolg, So bildlich und herrlich gezeichnet!

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