Aberglaube

Schon der Name sagt es: wir glauben etwas, aber wir wissen, dass es eigentlich Unsinn ist. Trotzdem können wir uns einfach nicht helfen. Warum nur?

Erst kürzlich hat jemand gesagt, dass der Monat Februar offenbar ein Unglücksmonat ist, schließlich ist jetzt schon das dritte Jahr etwas Böses im Februar passiert. Quatsch, kommt sofort die Antwort, dummer Zufall. Aber dann, wenn es wieder Januar wird, will man sich doch vor einem erneuten Schock schützen, sich darauf vorbereiten: oje, bald ist wieder Februar, der Unglücksmonat. Sofort wird alles Negative, das im Februar passiert, dem Datum zugeschrieben.

Freitag der dreizehnte, eine schwarze Katze von links nach rechts (oder war es von rechts nach links?) – aha, deshalb also! Hier ist die gesuchte Erklärung, die uns helfen soll, uns in der Zukunft vor unangenehmen Überraschungen zu schützen. Das ist im Prinzip eine Überlebenskunst, denn wenn ich weiß, wie ich Unglücksfälle vermeiden kann, dann bin ich vor ihnen gefeit. Oder auch nicht, denn der nächste Februar kommt bestimmt, auch der nächste Freitag, der 13., von der Katze ganz zu schweigen. Was also tun?

Gegenmittel! Aus dem Negativen etwas Positives drehen und dann daran glauben, dass wir die Sache nämlich doch im Griff haben. In England gibt es einen Spruch, nachdem die Anzahl von Elstern eine Zukunftsbotschaft sein soll: eine für Sorgen, zwei für Freude, drei für ein Mädchen und vier für einen Jungen; fünf für Silber, sechs für Gold, sieben für ein Geheimnis, das nie weitergegeben werden darf (es reimt sich auch noch auf Englisch). Was macht also der arme Mensch, der eine einsame Elster sieht? Er grüßt sie! Dann wird die Vorhersage der Sorge aufgehoben. Folglich kann man hier des Öfteren beobachten, wie ein Gesprächspartner oder ein vorbeikommender Autofahrer plötzlich die Hand zum Gruß erhebt oder gar einen Guten Morgen wünscht, nur weil eine Elster in der Nähe aufgeflogen ist.

Wenn es mit den Elstern klappt, dann müsste es auch mit anderen Gewohnheiten gelingen, ein Unglückszeichen in ein Glückszeichen zu verwandeln. Manche schwören darauf, gleichzeitig Nase und Fuß anzufassen, wenn sie einen Krankenwagen sehen (zwei Hände sind dabei erlaubt), andere gehen grundsätzlich nicht unter einer Leiter hindurch; neue Schuhe werden eben nicht auf den Tisch gestellt, …. Die Beispiele lassen sich aneinander reihen. Wer religiös ist, bekreuzigt sich, die Christen jedenfalls, und im Mittelalter, der Zeit meiner Legenden, gab es Zeichen gegen „den bösen Blick“.

Also muss man nur wissen, wie man sich schützt, und wenn man dann auch noch einen positiven Aberglauben pflegt (mein St Christophorus im Auto beschützt mich schon seit Jahren!), dann ist man auch erfolgreich: „Kontrollüberzeugung“ nennen das die Psychologen. Irrational, aber es wirkt.

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