Generationsfrust

Wie uns doch die Technik über den Kopf gewachsen ist. Wir brauchen sie, kommen ohne Internet, Smartphone, Fernseher gar nicht mehr aus, aber wir wissen beim besten Willen nicht, wie alles funktioniert. Sobald ein Problem auftaucht, reagieren wir mit Verzweiflungsschreien, Flüchen, ausgerechnet jetzt, was mache ich denn nun? Glücklich, wer Informatiker beschäftigt, wenn es auf der Arbeit passiert, aber was ist mit den unseligen Privatmenschen? Vor allem, wenn der Privatmensch nicht mit Computern vertraut ist?

„Passwort nicht anerkannt“, irgendeine nie wahrgenommene „Pin-Nummer eingeben“, „Help-Link“ führt schon wieder zu der Stelle mit dem Passwort, telefonische Leitungen sind völlig überlastet, schließlich zum letzten Resort greifen: Hilfe bezahlen oder sich mit dem plötzlich so notwendig gewordenen Teenager in der Familie wieder vertragen. Und hier fängt der Frust erst richtig an.

Jahrelang, über Jahrzehnte sogar, hat die ältere Generation nun gelernt und gelernt, sich Wissen angeeignet in dem festen – damals noch geltenden! – Glauben, dass es vorteilhaft ist, sich Wissen anzueignen. Wie kann dieses Wissen im Verlauf der letzten dreißig Jahre nur so nutzlos geworden sein? Es gibt kaum noch etwas, das wir nicht „googeln“ können, ob wir Google nun boykottieren oder nicht, worin liegt also heute noch der Sinn des Lernens?

Mittlerweile kommt es nur noch darauf an, dass wir wissen, wie wir an Fakten herankommen, es ist völlig unnötig geworden, die Fakten auswendig zu lernen, jedenfalls in allem Theoretischen. Was für eine Umstellung für jemanden, der sein Leben lang darauf hingearbeitet hat, so viel Wissen wie möglich zu erwerben. Die Schülerinnen und Schüler heute sind sich dessen bewusst; wer sich umstellen muss, sind die Lehrerinnen und Lehrer. Die stehen hier vor einer riesigen Aufgabe und werden meist vom System dabei gehindert, sich dieser rasanten Entwicklung anzupassen.

Das jugendliche Gehirn verkümmert ohne Lernen, sagen die Traditionalisten, und es gibt ganze Bücher, die ihnen dabei Recht geben wollen. Aber das jugendliche Gehirn lernt eben doch, nämlich bei dem rasanten Tempo der technischen Entwicklungen mitzuhalten. Genau deshalb ist es ja so wichtig, dass das Baby bereits mit einem Tablet spielt und die Sechsjährige einen Laptop in der Schultüte findet. Wenn Baby und Sechsjährige ins Berufsleben eintreten, hilft ihnen nur die Vertrautheit mit täglich wechselnden Computersystemen, nicht das Geschichtsdatum einer Schlacht oder das Einmaleins.

Wussten Sie, dass Sie mit einem App Ihre Gitarre per Handy stimmen können? Dass Sie nur „Online Prozentrechner“ in Ihre Suchmaschine tippen müssen, um sofort die Antwort zu finden, die Ihnen mit Dreisatz mindestens zehn Minuten raubt? Kein Wunder, dass sich die junge Generation über die ältere lustig macht, wenn wir darauf beharren, uns auf altmodische Art und Weise zu jeder Problemlösung zu quälen und uns gleichzeitig nicht trauen, auf einen Link im Internet zu klicken.

Die Abhängigkeit, in die wir uns dabei begeben, ist natürlich ein Gegenargument, und auch die Frage, wie wir unsere Problemlösung finden, wenn uns die Technik im Stich lässt. Vielleicht brauchen wir doch beides – die traditionellen Methoden und die neueste Technik?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s